Homosexuelle Paare sind wie heterosexuelle Paare.
Nur anders.
Was aber ist das Besondere an lesbischen und schwulen Beziehungen?
Lesben wie Schwule haben unter Homophobie zu leiden.
Aus Angst verhält sich die Mehrheit gegenüber der homosexuellen
Minderheit feindselig. Neben dieser äußeren Homophobie gibt
es auch die verinnerlichte, geschluckte, eigene Homophobie
von Lesben und Schwulen.
Auch sie kann das Paarleben oft unbewusst prägen.
Vielleicht die erschwerte Abgrenzung gegen die Herkunftsfamilien,
gegen vorher gelebte heterosexuelle Partnerschaften und Familien.
Wie gehen homosexuelle Paare mit den Kindern einer Partnerin/eines Partners
aus früheren Beziehungen um?
Wie sieht eine „gemischte“ homo-/heterosexuelle Patchworkfamilie aus?
Wie kann ein lesbisches Paar seine Verbindlichkeit feiern, wie ein schwules
Paar seine Jahrestage begehen? Es gibt kaum stützende Übergangsrituale.
Und da ist der noch immer bedrohliche und von Verlustängsten getragene
Einfluss von AIDS, vielleicht auch Trauer um einen verstorbenen früheren
Partner.
Hinzu
kommt, dass viele Schwule keine realen Beziehungsvorbilder
kennen.
(Sie kennen vielleicht Queer as Folk, aber darin wird eben nicht in
der Früh im Bad über die dreckige Badewanne gestritten, da
ist der Atem des Partners immer frühlingsfrisch und jede Party
ein großer Spaß).
Für viele - nicht nur Schwule und Lesben, auch Heterosexuelle -
beginnt genau da das Problem: Sie haben häufig wenig konkrete Vorstellungen,
was eine Beziehung tatsächlich ausmacht, aber sie glauben ganz
genau zu wissen, wie der Traumprinz/die Traumprinzessin aussieht, mit
dem sie alle Fehler von früher nicht nochmals erleben müssen.
Allerdings sind Traumprinzessinnen/-prinzen eine rare und aussterbende
Spezies.( vgl. Eric Hegmann, schwuler Autor zum Thema Beziehungen, siehe
seine Bücher und seine homepage: www.eric-hegmann.de
)
Die Gesellschaft lehrt uns, dass wir für uns das Beste verdienen,
vom Job bis zum Label auf dem T-Shirt, und das gilt natürlich auch
für die/den Partner/in. Dieses Denken führt jedoch dazu, dass
wir unsere Ansprüche auf den Partner projizieren statt auf die
Beziehung.
So werden Probleme mit dem Partner sofort Beziehungsprobleme.
Und die werden dann nicht gelöst, sondern der Partner gewechselt.
Sexualwissenschaftler sprechen hier von einer zunehmenden seriellen
Monogamie als Beziehungsform, die bei Heterosexuellen übrigens
genauso zu beobachten.
Das wirkliche Beziehungsleben basiert aber auf Verbindlichkeit, Vertrauen,
Respekt und dem gemeinsamen Wunsch, an dieser Beziehung zu arbeiten.
Wer nur den gemeinsamen Spaziergang in den Sonnenuntergang am Strand
für Beziehungsglück hält, wird von der Realität
leicht frustriert - und entscheidet dann schnell, dass er wohl den falschen
Partner hat, statt die eigenen Erwartungen zu reflektieren.
Zentral ist die Frage, wie sich ein Paar selber versteht.
Und welche Probleme es hat, die es mit anderen Paaren teilt.
Solche Regeln werden ausgehandelt.
Sie sind nicht selbstverständlich.
Für Homosexuelle dagegen ist das Verhandeln und Finden von Regeln
mehr oder weniger selbstverständlich, weil traditionelle Modelle
fehlen.
Auch Heteros leben mittlerweile immer häufiger in Beziehungen,
die nicht von äußeren Umständen abhängen (wie etwa
die Ehe als moralische Instanz oder Versorgungsgemeinschaft. „Von der
Kirchenmoral zur Verhandlungsmoral“ – Gunter Schmidt)
Der Soziologe Anthony Giddens nennt diese Lebensform "reine Beziehung",
weil sie sich allein durch Gefühle legitimiert.
In der Paartherapie können Lesben und Schwule lernen, tatsächlich
darüber zu sprechen, wie sie Beziehung führen wollen. Wie
sie fair verhandeln können.
Dass man zum Beispiel miteinander überlegt, ob man monogam sein
will oder nicht. Oder ob man in getrennten Zimmern schläft.
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